Keine Macht den Drogen!

Ökologoischer Weinbau war in den 70er Jahren noch weitgehend ein Fremdwort. Nicht nur Anhänger der Hippie-Bewegung waren offen für Chemie, auch der Winzer fand daran gefallen. Er schickte statt sich, seine Reben auf Trips. Und das im großen Stil.

Keine Macht den Drogen!

Streift man heute durch einen Weinberg, grünt und blüht es vom Frühjahr bis in den Herbst. Wüsste man es nicht besser, würde man sich in einem Caspar David Friedrich-Gemälde wähnen. Doch dieses wildromantische Spektakel bietet sich erst seit den 1980er Jahren. Zuvor vermutete der Landwirt hinter jedem Unkraut einen Parasiten, der den Reben wichtige Nährstoffe stahl. Ein blitzblanker Weinberg war Ziel der Bemühungen. Entsprechend fanden mineralische Kunstdünger reißenden Absatz. Doch warum griffen Landwirte auf Gift zurück, zumal die Gefahren durchaus bekannt waren, wenn auch die Pharmafirmen versuchten, diese zu bagatellisieren? Die schlichte Antwort: weil es so einfach wie effizient war. Und schnelle Erfolge waren bedeutungsvoller als Umweltschutz.

Das Problem resultierte aus der Entwicklung des Weinbergs von einer Misch- zu einer Monokultur. In den 1960er Jahren schafften viele Bauern ihr Vieh ab, konzentrierten sich ausschließlich auf den Weinbau. Doch ohne Dung fehlte den Reben nun die Abwehr. Die Lösung: mineralischer Dünger (z.B. mit Stickstoff, Kali, Eisensulfat). Die kinderleichte Anwendung entlastete den Winzer ungemein. Man muss sich vorstellen, dass Laub in den 1960er und -70er Jahren mit einer motorisierten Heckenschere zu Leibe gerückt werden musste, zur Bodenbearbeitung kamen ein seilzugbetriebener Pflug und eine Hacke zum Einsatz. Gifte wurden dagegen unkompliziert durch Sprühgeräte verspritzt, über großflächigen Anbaugebiete kamen sogar Agrarflugzeuge zum Einsatz, die aus der Luft düngten.

Der Einsatz von mineralischen Dünger war eine immense Arbeitsentlastung

Doch die rasche, witterungsunabhängige Freisetzung und der hohe Nährstoffgehalt mineralischer Dünger begünstigen Pflanzenschäden durch Überdüngung, Nährstoffe werden ausgewaschen und gelangen in Boden und Grundwasser. Auf die Zunahme von Rebkrankheiten nach dem Düngen reagierte man damals übrigens ganz unorthodox mit noch mehr Dünger.

Im Einklang mit der Natur zu arbeiten, freut Käufer und Umwelt.

Heute setzen Winzer nach Möglichkeit organische Dünger ein. Es ist selbstverständlich, dass die Rebstöcke, wenn auch kontrolliert, begrünt sind. Mit Bedacht werden verschiedene Pflanzen gesät, um natürliche Lebensgemeinschaften zu fördern. In Hecken oder Trockenmauern nisten Vögel, leben Spinnen und andere Nützlinge, die den Weinberg von Schädlingen sauber halten. Ein sich selbst regulierendes Ökosystem geht mit geringerem Ertrag einher, mit mehr Arbeitsaufwand und viel Handarbeit. Dafür werden gehaltvollere Weine mit Lagerpotential, mit größerem Säurespektrum und einer Fülle von Aromen auf die Flasche gebracht.

Wein herzustellen, der im Einklang mit der Natur entsteht, der die Bedürfnisse der Rebe deckt und das Ökosystem schützt, mag mühsamer sein, als nach der konventionellen Methode, dafür aber der Umwelt und dem Verbraucher gegenüber der einzig faire Weg.

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