Braucht der Wein Schwermetall?

Ökologischer Weinbau setzt den Verzicht chemischer Pflanzenschutzmittel voraus. Bio-Winzer müssen eine gesetzeskonforme Alternative finden, um ihre Reben zu schützen. Kupfer ist wirksam, aber umstritten. Überwiegen die Vorteile?

Braucht der Wein Schwermetall?

Im konventionellen wie im ökologischen Betrieb müssen Nährstoffe zugefügt werden, denn die landwirtschaftlich genutzten Böden liefern selbst nicht genügend. Biobauern dürfen dabei nicht chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel einsetzen, das ist gesetzlich vorgeschrieben. Organische, also biologisch abbaubare, Pestizide sind pflanzlichen, tierischen, mikrobiellen oder mineralischen Ursprungs und sind daher sehr beliebt, wirken sie doch einem Verlust der Biodiversität entgegen.

Ohne Dünger würden Erträge sinken, die Pflanzen unter Mangelerscheinungen leiden oder gar nicht wachsen. Ein Verzicht würde in erster Instanz einen drastischen Rückgang des ökologischen Landbaus bewirken.

„Kupfer ist ein lebensnotwendiges Spurenelement, es ist essenziell für die Entgiftung, die Bildung der Erythrozyten oder dem Aufbau des Bindegewebes.“

Kein Bio-Wein ohne Kupfer

Bewährt ist der Einsatz von Kupfer. Im Weinbau wird er als Fungizid und gegen Falschen Mehltau eingesetzt. Probleme kann diese natürliche Methode trotzdem mit sich bringen. So kommt es bei Regen zu Kupfer, also Schwermetall-Ablagerungen im Boden. Eine schädliche Wirkung lässt sich nicht leugnen, vor allem auf Regenwürmer und andere Mikroorganismen.

Regenwürmer sind ein Indikator für Bodenfruchtbarkeit und werden gerne als Ökosystemingenieure bezeichnet. Beim Graben ihrer Gänge und Röhren lockern sie den Boden auf und sorgen so für dessen gute Belüftung. Sie stellen hohe Ansprüche an ihren Lebensraum. Eingriffe in den Boden, z.B. bei Bodenbearbeitung, Düngung oder Pestizid-Einsatz verändern ihre Lebensbedingungen und die der symbiotischen Organismen.

In Deutschland gilt seit vielen Jahren nun schon eine sehr niedrige Höchstmenge pro Jahr den Einsatz von Kupferpräparaten betreffend, die Winzer nicht überschreiten dürfen. Im Weinbau sind das maximal drei Kilogramm. Zum Vergleich: Früher kamen schon mal 60 Kilogramm zum Einsatz. Die Beschränkung stellt sicher, dass das Metall auch zukünftig eingesetzt werden darf.

Dass solch geringen Mengen nicht immer ausreichen, wurde im Sommer 2016 deutlich. Damals behalfen sich einige Biobauern mit Kaliumphosphonat. Freilich durften die Hersteller diesen Jahrgang nicht als Bio-Produkt verkaufen. Interessanter Fakt: Das Salz wird von Öko-Verbänden als unbedenklich eingeschätzt, doch da es anorganisch ist, darf es laut EU-Öko-Verordnung im Ökobetrieb nicht verwendet werden.

Derzeit ist noch keine wirksame Alternative zu Kupfer gefunden worden. Doch sind bei der Reduzierung der Menge und durch die Optimierung der Präparate deutliche Erfolge erzielt worden.

Und der Wein?

Was den Wein betrifft, so ist die Verwendung von kupferhaltigen Mitteln übrigens von Vorteil. Fehlaromen wie den berüchtigten „Böckser“ wirkt das Schwermetall bereits bei der Gärung entgegen. Kupfer fällt währenddessen fast vollständig aus und ist im Wein kaum mehr nachzuweisen.

Fazit

Negative Wirkungen des Kupfereinsatzes auf Mikroorganismen müssen im Verhältnis zur Wirkung beider Systeme gesehen werden. Ohne Kupfer würde nach derzeitigem Stand der ökologische Betrieb aussterben. Es braucht eine vernünftige Entscheidung aus Brüssel, die dem Ökobetrieb hilft, seine Existenz zu wahren und die nicht zu Lasten des Bodens getroffen wird.

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