Ist der Riesling noch zu retten?

Mit einem Riesling schenkt man sich ein Glas deutsche Weinkultur ein. Kaum eine andere Rebsorte weiß unser Klima und die Böden so zu schätzen wie er. Doch die globale Erwärmung bedroht den König der Rebsorten.

Ist der Riesling noch zu retten?

Zweifelsohne gehört der Riesling zu den hochwertigsten Rebsorten der Welt und wird vom Experten bis zum Laien geschätzt. Was die Sorte so beliebt macht, ist ihr Charakter: Frische und Mineralik, Aprikosenaromen und Zitrusanklänge, lebendige Säure und moderater Alkoholgehalt. Ein wandelbarer Wein, der sich filigran und elegant oder rassig mit Kanten präsentieren kann und Genießer weltweit entzückt.

Viele Spitzenlagen Deutschlands sind mit der edlen Sorte bestockt. Tatsächlich hat Deutschland weltweit den größten Flächenanteil. Der Wein gedeiht am besten in nördlichen Regionen, wo das Klima gemäßigt bis tendenziell kühler ist, die Sonne aber bis in der Herbst hinein scheint und wärmt. Sonnige Tage und kühle Nächte geben dem Riesling seine Säure-Struktur. Hierzulande werden dem Wein diese für ihn idealen klimatischen Bedingungen geboten. Jedenfalls noch.

Die Erderwärmung ist eine Bedrohung: für den Riesling, wie auch für viele andere europäischen Sorten, z.B. Spätburgunder, Chardonnay und Trollinger.

Was genau passiert durch die unerwünschte Erwärmung?

Aufgrund seiner Empfindlichkeit gegenüber Sonneneinstrahlung kann die dünne Beerenhaut des Rieslings verletzt werden. Flüssigkeit tritt aus, die Früchte vertrocknen. Sind die Trauben noch jung, ist die Gefahr der Sonnenschädigung übrigens höher, da die Haut weniger robust ist.

Hohe Temperaturen beschleunigen die Entwicklung der Trauben, sie reifen früher, oftmals im September statt im Oktober. Durch den frühen Reifegrad dehnt sich das Gewebe zu schnell, die Haut wird porös. Durch feinste Risse, Saftaustritt oder Abdrücke auf den Beeren können Pilze wie Botrytis leicht eindringen und die Frucht schädigen.

Intensive Behandlung mit Pflanzenschutzmittel ist die eine Möglichkeit, dem Klimawandel zu trotzen, Piwi die andere.

Piwi – das Kürzel steht für pilzwiderstandsfähige Rebsorten. Die Neuzüchtungen sind Kreuzungen zwischen europäischen Qualitätsrebsorten und resistenten Reben, deren Eltern meist aus Amerika oder Asien stammen. Sie sind, wie der Name schon sagt, widerstandsfähiger. Zum Beispiel Pilzbefall gegenüber (wie Echter und Falscher Mehltau oder Botrytis), Fungizide müssen nur noch zwei bis dreimal im Jahr eingesetzt werden statt sechs- bis zehnmal. Das schont die Umwelt, reduziert den Energieaufwand, vermindert die Bodenbelastung und schützt die Gegenspieler von Schädlingen, wie Insekten und Spinnen.

Ein weiterer Vorteil der Piwi: Die Sorten sind frostbeständiger. Kälteeinbrüche setzen den Reben meist im zweiten Mai-Drittel zu. Die Trauben, die sich dann in der Austriebsphase befinden, werden zerstört. Durch den asiatischen Einfluss sind die Reben widerstandsfähiger gegenüber Kälteschäden.

Bekannte Piwi-Sorten sind Regent, Cabernet Jura, Solaris, Monarch, Muscaris oder Johanniter.

Dass wir uns irgendwann ganz vom Riesling verabschieden müssen, ist ein allzu düsteres Zukunftsszenarium. Denkbar wäre, ihn in höheren Lagen anzubauen oder den Lesezeitpunkt zu verschieben.

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